Autogenes Training
- Evelin Ball Yogalehrerin

- 16. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Mai
Was bedeutet autogenes Training und wozu dient es?

Entspannung durch die Kraft der Gedanken
Autogenes Training kann man als einen Weg zur bewussten Selbstentspannung betrachten.
Der Begriff „autogen“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „aus sich selbst heraus entstehend“. Entwickelt wurde diese Entspannungsmethode vom Berliner Psychiater Johannes Heinrich Schultz in den 1920er Jahren.
Durch bestimmte Formeln, innere Bilder und die Konzentration auf den eigenen Körper wird ein Zustand tiefer Ruhe erreicht. Ziel ist es, Körper und Geist wieder in Balance zu bringen und das Nervensystem zu beruhigen.
Autogenes Training hilft dabei:→ Stress abzubauen,→ innere Unruhe zu reduzieren,→ den Schlaf zu verbessern,→ die Körperwahrnehmung zu stärken,→ neue Kraft und Gelassenheit zu finden.
Im Mittelpunkt steht nicht Leistung, sondern das bewusste Loslassen. Der Körper darf lernen, wieder in einen natürlichen Zustand der Regeneration zurückzufinden.
Wie beim Vinyasa Krama geschieht auch im autogenen Training alles Schritt für Schritt. Die Übungen bauen logisch aufeinander auf und führen den Körper langsam tiefer in die Entspannung.
Aufbau des autogenen Trainings:
Ankommen:
Zu Beginn wird eine entspannte Haltung im Sitzen oder Liegen eingenommen. Klassisch ist dabei die sogenannte Kutscherhaltung — eine leicht nach vorne geneigte Sitzhaltung, die bereits von Johannes Heinrich Schultz beschrieben wurde.
Ziel ist es, dem Körper eine Position zu ermöglichen, in der möglichst wenig gehalten werden muss und Entspannung entstehen darf. Der Atem wird ruhiger, die Aufmerksamkeit richtet sich langsam nach innen und der Alltag tritt Schritt für Schritt in den Hintergrund.
Schwereübungen:
Die Aufmerksamkeit wird auf Arme und Beine gelenkt. Durch Formeln wie: „Mein rechter Arm wird schwer.“ entsteht ein Gefühl von Ruhe und Loslassen in der Muskulatur.
Die Schwere hilft dem Körper, Spannung abzugeben und den Geist nach innen zu richten.
Wärmeübungen:
Im nächsten Schritt wird die Wahrnehmung von Wärme eingeladen: „Mein rechter Arm wird angenehm warm.“
Die Wärme unterstützt die Durchblutung und vermittelt Geborgenheit und innere Ruhe.
Organübungen:
Nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf innere Prozesse:
→ den ruhigen Atem,
→ den gleichmäßigen Herzschlag,
→ den warmen Bauchraum,
→ die angenehme Frische der Stirn.
Der Körper darf lernen, wieder in seinen natürlichen Rhythmus zu finden.
Individuelles Thema:
Am Ende kann ein persönliches Thema oder eine Affirmation integriert werden. Zum Beispiel:
→ „Ich begegne Herausforderungen mit Ruhe.“
→ „Ich darf vertrauen.“
→ „Ich finde innere Balance.“
Dieser Teil ermöglicht es, eigene Bedürfnisse, Wünsche oder Veränderungen bewusst zu unterstützen.
Abschluss:
Durch bewusstes Zurücknehmen, Bewegung und tiefes Atmen kehrt man langsam wieder in den Alltag zurück.
Autogenes Training kann man gut mit einem Garten vergleichen. Zuerst wird der Boden ruhig und vorbereitet. Danach entsteht Schritt für Schritt Raum für Ruhe, Wärme und Vertrauen. Mit Geduld und regelmäßiger Übung kann daraus innere Stabilität und neue Kraft wachsen.
Gerade zu Beginn werden beim Autogenen Training häufig nur die Schwere- und Wärmeübungen geübt. Sie schaffen Vertrauen, Ruhe und eine Grundlage für die weitere Praxis. Erst mit der Zeit kommen die Organübungen hinzu, wenn der Körper gelernt hat, leichter in einen Zustand tiefer Entspannung zu finden.
Schritt für Schritt darf der Körper vom aktiven Tun in einen Zustand von Regeneration und Ruhe finden. Im Grunde verfolgt jede Übung des autogenen Trainings dasselbe
Ziel: den Körper und das Nervensystem in einen Zustand tiefer Entspannung zu begleiten.
Bild von Roland Marte auf Pixabay


